So, 31.10.04:
ALEMANNIA - Rot-Weiß Oberhausen 2:1 (2:0)
Straub - Landgraf, Klitzpera, Sichone, Blank - Brinkmann, Pinto (81. Paulus), Michalke (72. Iwelumo) - Scharping (64. Plaßhenrich), Bruns, Meijer
(Nicht - Stehle, Hengen, Gomez / Hecking)
Adler - Wimmer (90. Velichkov), Izepon, Cichon, Renacle - Baciu, Chiquinho (71. Ouedraogo), Rietpietsch, Montero (71. Tokody), Haeldermans - Simioni
(Kalinic - Tiéku, Ouro-Akpo, Ertural / Luginger)

Zuschauer: 19777 (ca. 350 aus Oberhausen)
Gelb: Izepon
Gelb-Rot: Meijer (69.; absichtliches Handspiel)

1:0 Blank (9.; Scharping)
2:0 Michalke (22.; Sichone)
2:1 Rietpietsch (74.)





Müde und kraftlos wirkte die Alemannia beim 0:1 in Erfurt. Im Heimspiel gegen das nächste Kellerkind, Rot-Weiß Oberhausen, war Wiedergutmachung angesagt, aber leider lagen wieder nur vier Tage zwischen den Spielen. Dazu gab es mit Cristian Fiel, Simon Rolfes, Emil Noll und Ivan Petrovic vier Ausfälle zu verzeichnen. So kam Dennis Brinkmann von Beginn an zum Einsatz, aber zur allgemeinen Überraschung nicht etwa neben Reiner Plaßhenrich, sondern hinter Sergio Pinto und Kai Michalke, die hinter den Spitzen Jens Scharping, Florian Bruns und Erik Meijer aufliefen. Dieter Hecking hatte also für seine müden Krieger mit einer ultraoffensiven Aufstellung die Flucht nach vorne gewählt. Bei Oberhausen saß erstmals Interimscoach Jürgen Luginger anstelle des entlassenen Jörn Andersen auf der Bank.
Das Spiel begann wie immer, bis nach wenigen Minuten nach langer Zeit wieder "Werner Fuchs"-Rufe zu hören waren. Auf der Überdachten hatte man bemerkt, dass die Fahne nicht am Zaun hing, sondern auf dem Boden lag. Dort hatte sie schon gegen Saarbrücken gelegen, was aber offenbar niemand bemerkt oder gar gestört hatte. "Gestört" ist auch das Stichwort für wen auch immer im Verein, der das Aufhängen der Fahne verboten hatte. Immerhin hat es bisher elf Spiele gegeben, in denen mehr als 19777 Zuschauer auf dem Tivoli waren und es trotzdem kein Problem mit der Fahne gab. In jedem Fall verliefen die nächsten Minuten recht bizarr; der obere Teil des S-Blocks streikte, während aus Block T und aus der anderen Hälfte von Block S gelegentliche Anfeuerungen für die Mannschaft zu hören waren. Mitten in diese Phase fiel das 1:0 durch Stefan Blank durch einen Kopfball nach Ecke von Jens Scharping. Zehn Minuten später war das Hin und Her um die Fahne immer noch in vollem Gange, als ein Heber von Moses Sichone Kai Michalke erreichte. Der legte den Ball mit dem Kopf an Oliver Adler vorbei und schob ihn zum 2:0 aus spitzem Winkel ins Netz. Der Oberhausener Keeper sah dabei wie schon beim ersten Treffer nicht allzu gut aus. Kurz danach befestigte unser Fanbeauftragter schließlich die Fahne am Pufferblock zwischen Block X und Gästeblock, und man konnte sich auf Fußball konzentrieren. Das sollte sich lohnen, denn die Alemannia spielte in der ersten Halbzeit einen sehr gepflegten Ball, RWO hatte nichts entgegenzusetzen. Mitte der ersten Hälfte sah sich Oliver Adler Florian Bruns gegenüber, der nach langem Ball von Kai Michalke über halblinks freie Bahn hatte. Dieses Mal blieb Adler Sieger. Bei einigen weiteren vielversprechenden Angriffen der Alemannia fehlte der letzte Pass. "Wir haben die Schnauze voll", machte sich zur Pause der Gästeblock bemerkbar.
Hatte es vor der Pause noch so ausgesehen, als könne die Alemannia mal wieder etwas für ihr Torverhältnis tun, schien sich danach allmählich wieder die Müdigkeit bemerkbar zu machen, vielleicht wurde auch bewusst ein Gang zurückgeschaltet. So kamen die Gäste zu einigen guten Chancen. Mike Rietpietsch hatte nach Pass von Chiquinho das Anschlusstor auf dem Fuß, aber Stephan Straub blieb Sieger. Auf der Gegenseite hätte Erik Meijer das Spiel entscheiden können, als er nach Querpass von Florian Bruns aus sechs Metern frei zum Schuss kam, aber er setzte den Ball weit über die Latte. Die Gäste kamen immer besser ins Spiel. Simioni tanzte Alexander Klitzpera aus, setzte denn Ball aber aus 14 Metern am linken Lattenkreuz vorbei. Trotz allem hätte man die Partie wohl relativ locker nach Hause schaukeln können, wenn Erik Meijer, der eine Viertelstunde vorher noch die Entscheidung auf dem Fuß gehabt hatte, nicht einen völligen Blackout gehabt hätte. Bereits mit Gelb verwarnt, leistete er sich ein völlig überflüssiges Handspiel im Mittelfeld und sah Gelb-Rot. Damit fehlt er in Duisburg, und gegen RWO mussten die letzten 20 Minuten zu zehnt überstanden werden. Nach dem Platzverweis geriet die Sache schnell zur Zitterpartie. Eine Flanke von Remacle legte Simioni vom langen Pfosten zurück auf den kurzen, und dort köpfte Mike Rietpietsch, von Willi Landgraf aus den Augen verloren, aus kurzer Distanz zum 2:1 ein. Ein Freistoß von Stefan Blank hätte die Erlösung bringen können, aber Oliver Adler parierte, und es wurde noch einmal ganz eng. Mike Rietpietsch lief nach Steilpass von Stijn Haeldermanns seinem Bewacher Willi Landgraf davon und sah sich nur noch Stephan Straub gegenüber. Zum Glück war der Winkel etwas zu spitz, und Stephan Straub behielt die Nerven, blieb lange stehen und hielt den Sieg fest.
Insgesamt ist der Sieg der Alemannia hochverdient. In der ersten Halbzeit wurde wieder einmal große spielerische Klasse angedeutet, bevor sich am Ende der Kräfteverschleiß deutlich bemerkbar machte. Die RWO-Fans hatten immer noch die Schnauze voll, und unsereins darf sich mit der Reise nach Sevilla auf das nächste ganz große Highlight freuen.

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