Sa, 31.03.07:
VfB Stuttgart - ALEMANNIA 3:1 (1:0)
Hildebrandt - Osorio, Meira, Magnin, Boka (86. Beck) - Pardo, Hilbert (70. Farnerud), Khedira, Hitzlsperger - Cacau, Streller (70. Lauth)
(Langer - Babbel, Bierofka / Veh)
Straub - Stehle, Klitzpera, Sichone, Leiwakabessy - Lehmann (88. Heidrich), Pinto (75. Dum), Rösler, Reghecampf (88. Özgen) - Schlaudraff, Ibisevic
(Nicht - Casper, Balaban, Moosmayer / Frontzeck)

Zuschauer: 43000 (ca. 2000 aus Aachen)
Gelb: Boka - Sichone, Ibisevic

1:0 Streller (29.)
1:1 Sichone (59.; Reghecampf)
2:1 Lauth (75.)
3:1 Cacau (84.)













Zum ersten Mal seit 1970 spielte die Alemannia beim VfB Stuttgart, ganz in der Nähe des bekannten Degerlochs. Die 1933 errichtete Adolf-Hitler-Kampfbahn wurde im Laufe der Jahre samt umliegender Anlagen nach diversen Pionieren der Erderwärmung umbenannt, mit jeder Menge roter Sitzschalen versehen und durch endlose Zäune und Matschlöcher zumindest vor konditionsschwachen Gästefans geschützt. Letztere sind in Stuttgart besonders originell untergebracht, der flache Sitzplatzblock bietet hervorragende Sicht auf die Leichtathletikbahn; wer einem Ordner den Vermerk "Stehplatz" auf seiner Eintrittskarte zeigte, wurde auf die obersten, gut 50 Meter vom Spielfeld entfernten, fünf Reihen des Blocks verwiesen, in denen man die Sitzschalen netterweise abgeschraubt hatte. Etwas zu feiern gab es auch, der Stadionsprecher überschlug sich angesichts von 10 Jahren Commando Cannstadt und der seitdem größten Choreographie für schwäbische Verhältnisse geradezu vor Begeisterung, alle die Papptafeln hoch, aber nur die Papptafeln, dann erst die Doppelhalter. Nun - 10 Jahre Commando Cannstadt, 27 Jahre Manowar, 74 Jahre Adolf Daimler-Chrysler-Stadium, 74 Jahre Mayer-Vorfelder... auch ich gratuliere ganz herzlich.
Aber zum Wesentlichen: Die Alemannia konnte nach sechs nicht verlorenen Spielen als Tabellenneunter beim Dritten Stuttgart befreit aufspielen. Die pesonelle Situation hatte sich dabei kaum entspannt, Sascha Dum und Alexander Klitzpera waren nach abgelaufenen Sperren wieder dabei, dafür musste Nico Herzig mit Problemen im letztes Jahr gebrochenen Mittelfuß aussetzen, und auch Cristian Fiel war entgegen anders lautender Meldungen im Laufe der Woche nicht im Kader. Der VfB hatte in den letzten vier Spielen nur ein Tor geschossen und musste ohne Nationalstürmer Daniel Gomez auskommen.
Die Alemannia begann verhalten, legte aber spätestens nach einer Viertelstunde jegliche Scheu ab und hatte die besseren Chancen. Thomas Stehle spitzelte einen Reghecampf-Freistoß in die linke Ecke, aber Timo Hildebrand reagierte stark. Auf der Gegenseite köpfte Fernando Meira nach der ersten Stuttgarter Ecke über das Tor. Bei einem Konter umlief Cacau den etwas voreilig herausgeeilten Stephan Straub, aber Jeffrey Leiwakabessy konnte noch zur Ecke klären. Die brachte dann doch das 1:0, Marco Streller übersprang Alexander Klitzpera und traf per Kopfballaufsetzer ins nicht gedeckte rechte Eck. Kurz vor der Pause hätte Hitzlsperger aus 20 Metern noch den zweiten Treffer nachlegen können.
Der VfB kam schwungvoll aus der Kabine, ein Kopfball von Hilbert nach Ecke Hitzlsperger ging rechts am Tor vorbei, auf der anderen Seite verfehlte Vedad Ibisevic das Tor von Timo Hildebrand aus knapp 20 Metern. Ähnlich überraschend wie die Stuttgarter Führung gelang der Ausgleich. Moses Sichone schraubte sich bei einem Freistoß von Laurentiu Reghecampf am höchsten, Timo Hildebrand war wohl gerade durch seine Haare die Sicht verdeckt, und der Ball schlug zum 1:1 neben dem rechten Pfosten ein. Die Alemannia war nun im Aufwind und diktierte sogar das Spielgeschehen. Der VfB wechselte leider zweimal folgenreich aus, Alexander Farnerud und Benjamin Lauth kamen ins Spiel, bei der Alemannia kam Sascha Dum für Sergio Pinto. In einer Phase, in der die Alemannia den Gegner im Griff zu haben schien, geriet man wie schon im ersten Durchgang unnötig in Rückstand. Ein Presschlag zwischen Dum und Farnerud beförderte das Leder unglücklich in den Aachener Strafraum, Moses Sichone versuchte ungelenk, den Ball mit der Hacke abzuwehren, und Benjamin Lauth schaltete schneller als Alexander Klitzpera und schoss zum 2:1 ein. Die Alemannia versuchte noch einmal alles, Jan Schlaudraff köpfte den Ball nach Flanke Reghecampf rechts am Tor vorbei. Unsere Mannschaft machte jetzt auf, und der VfB nutzte den Raum, Farnerud bediente Cacau sechs Minuten vor Schluss zum 3:1. Damit war das Spiel gelaufen, nach zuvor Marco Quotschalla und Manuel Junglas kam auch Abdul Özgen, vor einem Jahr noch beim SV Breinig aktiv, zu einem Bundesligaeinsatz.
Es wäre mehr drin gewesen, die Alemannia hatte gut gespielt und war dem Gegner ebenbürtig gewesen. Leider kann man sich davon nichts kaufen, bei einer Pleite gegen Dortmund und danach zwei schweren Auswärtsspielen hängt man wieder ähnlich tief in der Scheiße wie Verfechter des guten Geschmacks beim Anblick des Manowar-Tourbusses auf dem Stadionparkplatz.



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