Fr, 30.09.05:
ALEMANNIA - SpVgg Greuther Fürth 0:1 (0:1)
Nicht - Rauw (46. Landgraf), Stehle, Sichone, Noll - Sukalo, Fiel (46. Ebbers), Rösler - Pinto (65. Reghecampf), Schlaudraff, Meijer
(Hesse - Klitzpera, Casper, Koen / Hecking)
Mavric - Weber, Kleine, Mijatovic, Kokot - Andreasen, Judt (86. Barut), Hilbert (77. Adlung), Timm, Fuchs - Eigler (90. Oehrl)
(Neuhaus - Rundio, Felgenhauer, Erceg / Möhlmann)

Zuschauer: 18115 (ca. 60 aus Fürth)
Gelb: Meijer, Rauw, Rösler, Sichone, Landgraf - Judt, Timm
Rot: Fuchs (65.; grobes Foulspiel)

0:1 Eigler (27.)





Drei Siege hatte die Alemannia aus den ersten drei Heimspielen eingefahren, allerdings gegen einen schwachen und zwei ganz schwache Gegner. Mit Fürth kam nun der erste echte Prüfstein auf den Tivoli - zwar auch nur ein eher durchschnittliches Team, aber ein Angstgegner der Alemannia. Nur ein Sieg gab es aus 12 (jetzt 13) Spielen, nur gegen den SC Verl und den SC Freiburg weist die Alemannia eine noch schlechtere Bilanz auf.
Bei der Alemannia war Moses Sichone nach ausgestandener Verletzung wieder im Team, was der Abwehr zuletzt vermisste Stabilität verleihen sollte. Für ihn blieb nicht etwa Thomas Stehle, sondern Alexander Klitzpera auf der Bank; etwas überraschend, aber angesichts der bisher gezeigten Leistungen konsequent.
Klitzpera war es im übrigen, der vor dem Spiel verlautet hatte: "Wenn wir gegen Fürth genauso auftreten wie in Rostock, werden wir gewinnen." Entsprechend selbstzufrieden trat unsere Mannschaft zu Beginn auf. Der Gegner wurde irgendwie unter Druck gesetzt, aber irgendwie auch halbherzig und ohne die letzte Konsequenz. Im Mittelfeld wurden zuviele Zweikämpfe verloren, einer davon führte nach 25 Minuten zum 0:1. Cristian Fiel verlor den Ball nahe der Mittellinie, und Christian Timm spielte schnell und steil auf Christian Eigler, der dem auf Abseits spekulierenden Moses Sichone entwischte und den Ball am herausstürzenden Kristian Nicht vorbei spitzelte. Die Alemannia konnte sich in 45 Minuten keine einzige klare Torchance erspielen, nur einmal wurde es eher zufällig gefährlich, als Goran Sukalo einen Pinto-Freistoß vor die Füße von Sascha Rösler köpfte, der vor einem Jahr für Fürth gegen uns einen wesentlich schwierigeren Ball versenkt hatte, aber dieses Mal den Ball nicht unter Kontrolle bekam. Die Alemannia wirkte zunehmend verunsichert und bekam auch keine Hilfe von den Rängen, wo die meisten Leute offenbar nur für Humba und Hüpfen gekommen waren, aber bei diesem Grottenkick ihren Mund nur zum Schimpfen aufbekamen.
Marius Ebbers für Cristian Fiel und Willi Landgraf für den bereits verwarnten Bernd Rauw sollten in der zweiten Hälfte neuen Schwung bringen, was nur Landgraf gelang. Verwarnt wurden neben Rauw im übrigen noch (alle drei wegen Reklamieren) Erik Meijer, Moses Sichone und Sascha Rösler - für letzteren war es bereits die vierte. Nach 55 Minuten bot sich dann endlich eine Torchance, aber Jan Schlaudraff, der nach Doppelpass mit Erik Meijer frei vor Borut Mavric auftauchte, traf nur den Außenpfosten. Willi Landgraf geriet derweil mehrfach mit Danny Fuchs in die Haare, was sich auszahlte, als Fuchs für ein Foul von hinten die rote Karte sah. Leider war der Fürther Strafraum klein genug, dass auch neun um ihn herum postierte Weiße zu seiner Verteidigung völlig ausreichten. Vermutlich hätten Fürth das Ergebnis auch zu acht über die Runden gebracht, die Alemannia spielte zu viel klein-klein. Es mangelte vorne und hinten an Ideen, der Ball wurde zum Teil minutenlang ergebnislos hin und her gespielt. Die Fürther Abwehrspieler waren immer einen Schritt schneller und besser postiert; der am häuftigsten gehörte Satz auf der Tribüne war: "Warum steht denn da keiner?" Gerade im Strafraum fehlte es oft an der letzten Konsequenz. Als sich schließlich in der Nachspielzeit Erik Meijer endlich einmal ein Herz fasste, konsequent dazwischenging und den Ball aus acht Metern in Richtung Tor hämmerte, rettete zu allem Überfluss Borut Mavric seiner Mannschaft mit einem sensationellen Reflex den Sieg.
Verdient war dieser Sieg nicht, nur ein 0:0 wäre diesem Kick gerecht geworden. Die Alemannia blieb damit im zweiten Spiel in Folge ohne Punkte und Tor und wartet nunmehr seit 411 Minuten auf ein Tor in einem Heimspiel gegen Greuther Fürth. Die Hilflosigkeit, mit der die Alemannia den tief stehenden Gästen entgegentrat, war erschreckend. Wenn man gegen so einen Gegner kein Mittel findet, wird man es in der zweiten Liga noch häufiger sehr schwer haben. Mit der 4. Niederlage im 8. Spiel (und der 12. Niederlage im Jahr 2005 bei nur 11 Siegen) erhielt man die Quittung für mäßige Leistungen und ist vorerst da angekommen, wo man vor einigen Jahren war - im Mittelmaß. Von diesem in jeder Hinsicht deprimierenden Abend bis zum Aufstieg ist es jedenfalls noch ein gewaltiger Schritt - die wirklich starken Gegner kommen erst noch.

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