Mi, 29.03.06:
1.FC Saarbrücken - ALEMANNIA 2:5 (2:2)
Eich - Halet (46. Rozgonyi), Adiele, Nsaliwa, Pelzer - Demai, Nehrbauer (74. Diane), Örtülü, Hadji, Hagner - Bencik
(Ziegler - Haastrup, Genet, Laping / Bommer)
Nicht - Pinto, Klitzpera, Stehle (62. Dum), Casper - Plaßhenrich, Reghecampf (52. Sukalo), Rösler, Fiel (60. Koen) - Schlaudraff, Ebbers
(Straub - Landgraf, Heidrich, Bruns / Hecking)

Zuschauer: 12600 (ca. 1000 aus Aachen)
Gelb: Koen

0:1 Ebbers (7.; Fiel, Schlaudraff)
0:2 Schlaudraff (25.; Ebbers)
1:2 Hagner (42.)
2:2 Bencik (45+1.)
2:3 Klitzpera (60.; Pinto)
2:4 Schlaudraff (71.; Rösler)
Hadji schießt Foulelfmeter über das Tor (79.)
2:5 Rösler (91.; Ebbers)























Der Wahnsinn geht weiter... fünf Tage nach dem grandiosen Spiel in Offenbach erlebten rund 1000 Aachener Fans im Ludwigspark gleich das nächste unglaubliche Spiel. Auf der belgischen Autobahn sah es übrigens irgendwie noch nach mehr Aachenern aus als nachher im Block, und wahrscheinlich wären es auch noch mehr geworden, wenn das Spiel abends und nicht kurz nach der Mittagspause stattgefunden hätte. Dies soll aber selbstverständlich keine Kritik an der DFL oder gar am großartigen DSF sein, denn dass Eckpfeiler der Weltgeschichte wie "Siegen gegen Ahlen" und "Inter gegen Villareal" unter keinen Umständen gleichzeitig stattfinden dürfen, ist ebenso einzusehen wie der Vorrang, den die auf ihre Sexy-Sport-Clips-DVD-Boxen onanierende Zielgruppe vor dem gemeinen Stadion-Pöbel genießt. Groß war die Freude übrigens auch, als sich irgendwo zwischen zwei Regenschauern das Gerücht breit machte, Erik Meijer wäre nicht nur aus dem Kader gestrichen, sondern bereits gegen Offenbach gedopt gewesen und man könne entsprechend drei Punkte an "Offenbacher Kickers z.Hd. Herrn Ramovic" schicken. Zum Glück erwies sich das als Schwachsinn, und außerdem war Laurentiu Reghecampf wieder gesund, und so konnte man optimistisch ins Spiel gehen, wenn auch mit uneingespielter Abwehrreihe Casper-Stehle-Klitzpera-Pinto.
Aller Optimismus erwies sich schnell als berechtigt, denn die Alemannia spielte die engagierten Gastgeber eiskalt "im Stile eines Aufsteigers" aus. Cristian Fiel schickte auf der linken Seite den merkwürdigerweise komplett alleine gelassenen Jan Schlaudraff. Der legte den Ball mit dem Außenrist in die Mitte, und Marius Ebbers war offenbar direkt aus Offenbach durchgelaufen und drückte den Ball knapp vor seinem Gegenspieler zum 0:1 ins Netz. Auf der anderen Seite hatten wir das Glück, das man hat, wenn man oben steht, als Bencik nach Rückpass von Mirko Casper nur den Außenpfosten traf. Die Alemannia wirkte zeitweise schon ein wenig überheblich, aber in den entscheidenden Momenten hellwach. So gewann Marius Ebbers 40 Meter vor dem Tor den Ball und spielte sofort steil auf Jan Schlaudraff, der den Ball vorbei an Torwart Eich zum 0:2 ins Netz schob. Damit erreichte die Party im Gästeblock ihren vorläufigen Höhepunkt. "Rivers Of Babylon" wurde abwechselnd als Kanon, Wechselgesang und mit Hüpfeinlage angestimmt, und Rocco auf dem Podest hatte ganz offensichtlich soviel Spaß wie seit der Feier zu seinem sechsten Geburtstag nicht mehr. Leider kam wie schon in Offenbach eine kleine Panne dazwischen: Hagner bediente Bencik, Alexander Klitzpera grätschte dazwischen, aber Hagner setzte humorlos nach, und es stand 1:2. Kurz darauf wurde der Mann mit dem HTML-feindlichen Namen Örtülü aka Örtülü abseitsverdächtig angespielt und bediente in der Mitte Bencik, der glücklicherweise den die Linie abdeckenden Sergio Pinto anschoss. Trotzdem gab es in der Halbzeit noch lange Gesichter am Bierstand, da Alexander Klitzpera in der Nachspielzeit einen ganz langen Pass von Nsaliwa unterschätzte, und Bencik dieses Mal perfekt zum 2:2 ins rechte Eck zielte.
Wieder mal gab es aber die Parallele zu Offenbach, denn die Alemannia verkackte das Spiel nicht etwa noch wie man es aus den letzten Jahren gewohnt war, sondern überstand die Drangperiode der Morgenluft witternden Gastgeber und schlug nach einer Stunde zu. Alexander Klitzpera köpfte nach Ecke von Sergio Pinto zum 2:3 ein. Nun wurde endgültig der Erstligafußball ausgepackt. Marius Ebbers legte per Kopf auf die Brust von Sascha Rösler ab, der den Ball abtropfen ließ und aus 16 Metern unter die Latte zimmerte. Eich flog zwar nicht mit ins Tor, hatte aber schließlich beim Nachschuss von Jan Schlaudraff das Nachsehen. Das durch erneut auftretende Nachlässigkeiten großzügig angebotene 3:4 mit anschließendem 4:4 wurde von Hadji ausgelassen, der einen Elfmeter nach Zange von Pinto und Klitzpera gegen Örtülü über die Latte setzte. Zwischendurch war auch noch Taifour Diane eingewechselt und vom bestens gelaunten Aachener Anhang gefeiert worden. Als man im Gästeblock hauptsächlich mit Zaunklettern, Tanzen und ungläubigem Bis-11-Zählen beschäftigt war, hatte auch Demai schon mit dem Spiel abgeschlossen und legte für Marius Ebbers vor, der zum 2:5 quer auf Sascha Rösler spielte.
Während Willi Landgraf die Strecke von der Bank zum Gästeblock mit Purzelbäumen zurücklegte und Cristian Fiel in die Tivoli-Flames-Fahne eingewickelt den Vortrommler markierte, wurde einem langsam klar, dass am Aufstieg kaum noch ein Weg vorbei führt (siehe Frühwarnsystem) - wobei es mir selbst 24 Stunden später beim Schreiben des Berichts schwerfällt, die Freudentränen zu unterdrücken.



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