Fr, 28.11.03:
VfL Osnabrück - ALEMANNIA 3:1 (1:0)
Ochs - Tredup, Langeneke, Gledson, Dogan - Enochs (84. Tammen), Spork, Berberovic, Dzaka, Waku-Menga - Schied
(Kuschmann - Claaßen, Leimbrink, Schneider, Schüßler, Vier / Pagelsdorf)
Straub - Landgraf, Klitzpera, Lanzaat, Blank - Grlic, Paulus (70. Ewertz), Michalke, Brinkmann - Mbwando (46. van der Luer), Krontiris (61. Bayock)
(Memmersheim - Bediako / Berger)

Zuschauer: 15500 (ca. 700 aus Aachen)
Gelb: Berberovic - Lanzaat, Blank, Brinkmann

1:0 Waku-Menga (30.)
2:0 Schied (48.)
3:0 Waku-Menga (58.)
3:1 Blank (85.; Grlic)









Viel war im Umfeld der Alemannia in der Woche nach dem Nürnberg-Spiel diskutiert worden - nur nicht über das Spiel in Osnabrück. An der Bremer Brücke stand weniger die Mannschaft als die rund 700 Aachener im Gästeblock im Mittelpunkt des Interesses. Neben einem riesigen Polizeiaufgebot außerhalb des Stadions hatten sich auch zwei Dutzend Lederjackenträger links vom Gästeblock aufgebaut, rechts wachte einer von Aachens szenekundigen Beamten gierig auf fliegende Becher und Nägel. Ärger blieb diesmal aus, dafür hatte unsere Mannschaft umso mehr Probleme. Neben dem gesperrten Erik Meijer fielen kurzfristig auch noch Daniel Gomez und Karlheinz Pflipsen aus. Immerhin konnte Emmanuel Krontiris auflaufen, dessen Einsatz lange fraglich gewesen war. Trotzdem sah die Formation sehr nach "Notelf" aus, mit George Mbwando neben Krontiris im Sturm und Kai Michalke hinter den Spitzen. Mit dieser Besetzung musste die Alemannia beim heimstarken VfL aus Außenseiter gelten.
Umso überraschter konnte man sein, als unser Team stark begann und in den ersten zwanzig Minuten die spielerisch überlegene Mannschaft war. Die ersten Chancen des Spiels hatte allerdings der VfL. Nach einer Ecke köpfte Dzaka am rechten Pfosten vorbei, dann war es Addy Waku-Menga, der nach einer Einzelaktion vom linken Strafraumeck aus das Tor verfehlte. Jener Waku-Menga sollte im weiteren Spielverlauf leider noch von sich reden machen. Dabei hätte es alles ganz anders laufen können, wenn die Alemannia in der ersten Hälfte ihre Chancen konsequent genutzt hätte. Nach schönem Anspiel von Emmanuel Krontiris hatte George Mbwando auf der rechten Seite viel Platz zum Flanken und legte den Ball quer auf den einschussbereiten Dennis Brinkmann. Der hatte einen Schritt Vorsprung vor Marco Tredup, aber dennoch war der Osnabrücker eher am Ball und bugsierte das Leder mit einem langen Bein zur Ecke. Diese wurde von Ivica Grlic in die Mitte gegeben, wo Alexander Klitzpera zur Stelle war, aber über das Tor köpfte. Auf der anderen Seite konnte Stephan Straub einen Schlenzer von Goalgetter Schied mit einer Hand über die Latte lenken, und Waku-Menga, der sich einmal mehr gegen Willi Landgraf durchgesetzt hatte, schoss am kurzen Pfosten vorbei. Bis dahin sah alles nicht so schlecht aus, aber dann wurde die Alemannia kalt erwischt. Quido Lanzaat köpfte den Ball in der eigenen Hälfte in die Füße des Gegners, und Berberovic bedankte sich mit einem Steilpass auf Waku-Menga in den Rücken von Alexander Klitzpera. Stephan Straub eilte aus seinem Tor und sah eher unglücklich aus, als er von Waku-Menga umspielt wurde, der aus spitzem Winkel zum 1:0 ins Netz traf. Frank Paulus hatte noch vor dem Wechsel das 1:1 auf dem Fuß, nachdem er Langeneke umspielt hatte, schoss aber überhastet flach am langen Pfosten vorbei. Die letzte Chance der ersten Halbzeit hatte wieder Waku-Menga, der Willi Landgraf noch älter aussehen ließ, als er es ohnehin schon ist.
Zur Pause erklärte Jörg Berger das Experiment Mbwando im Sturm für beendet, erlöste den desorientiert wirkenden gelernten Mittelfeldspieler und brachte Eric van der Luer. Leider half das wenig, denn unsere Spieler waren in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff gedanklich noch in der Kabine und fingen sich schnell die Vorentscheidung. Berberovic überlief Stefan Blank und bediente in der Mitte Schied. Der hatte wenig Mühe, zum 2:0 zu vollenden, da Alexander Klitzpera einfach stehengeblieben war und sich augenscheinlich auf seinen Torwart verlassen hatte. Nach Flanke von Frank Paulus und Kopfballabwehr der Osnabrücker hatte Ivica Grlic vom Sechzehner nochmal die Chance zum Anschlusstreffer, setzte den Ball aber knapp am rechten Lattenkreuz vorbei. Stattdessen fiel auf der anderen Seite die endgültige Entscheidung - und es war noch nicht einmal eine Stunde gespielt. Bei einem Konter von Osnabrück ließ der Schiedsrichter, der allgemein im Zweifelsfall immer gegen die Alemannia entschieden hatte, trotz passivem Abseits weiterspielen, obwohl er der Alemannia in der ersten Hälfte eine ganz ähnliche Situation abgepfiffen hatte. So kam Waku-Menga an den Ball, wurde von Willi Landgraf nicht konsequent angegriffen und schoss in Richtung kurzes Eck. Der Schuss war haltbar, aber da an diesem Tag alles schiefging, ließ Stephan Straub den Ball zum 3:0 ins Tor passieren. Damit war das Spiel entschieden, im Gästeblock konnte man sich den Diskussionen über die anstehende Verhandlung vor dem Sportgericht widmen und sich nur noch kurz über das 3:1 durch Stefan Blank (Kopfball nach Grlic-Freistoß) freuen.
Alles in allem geht der Sieg des VfL völlig in Ordnung. Bei der Alemannia machte sich das Fehlen von Karlheinz Pflipsen und Erik Meijer deutlich bemerkbar. Noch gravierender war allerdings die katastrophale Leistung unserer Abwehr, die den Gastgebern durch individuelle Fehler drei Tore ermöglichte. Trotz der Niederlage bleibt die Alemannia zwar zunächst Tabellenführer, aber das könnte sich am Donnerstag ändern, falls die Fußball-Mafia auf Wiederholung des Nürnberg-Spiels entscheiden sollte. Zunächst geht es allerdings nach Braunschweig - hoffentlich ohne Ausfälle, denn ansonsten wäre die Alemannia auch dort klarer Außenseiter.



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