Mo, 26.04.04:
1.FC Nürnberg - ALEMANNIA 3:0 (0:0)
Schäfer - S. Müller (46. Kießling), Sanneh, A. Wolf, Wiblishauser - Larsen (46. Stefulj), Nikl, Mintal - Slovak (78. Stehle), Ciric, Krzynowek
(Kampa - T. Paulus, L. Müller, Aidoo / W. Wolf)
Straub - Landgraf, Klitzpera, Lanzaat (54. Mbwando), Blank (73. Gomez) - Grlic, F. Paulus, Pflipsen, Brinkmann - Meijer, Krontiris (46. Salou)
(Memmersheim - van der Luer, Fiel, Michalke / Berger)

Zuschauer: 20829 (ca. 150 aus Aachen)
Gelb: Slovak - Blank, Mbwando
Rot: Ciric (58.; Tätlichkeit) - Landgraf (8.; Notbremse)

1:0 Nikl (54.)
2:0 Slovak (71.)
3:0 Mintal (92.)









Nach dem 4:2 von Cottbus gegen Fürth tags zuvor ging es für die Alemannia in Nürnberg um die voraussichtlich letzte Chance auf Platz Drei. Nur rund 150 Fans begleiteten die Alemannia zum wichtigen Auswärtsspiel, auch dank des wieder einmal unsäglichen Montagstermins. Wider Erwarten wurden diese Fans von Ordern und Polizei nicht anders behandelt als sonst und mussten sich auch nicht bis auf die Unterhose ausziehen. Beim Club gab man sich souverän und stichelte lieber durch den "Der ganz große Wurf" betitelten Alemannia-Bericht oder das große Wolfgang-Wolf-Poster im Stadionheft. Sogar das Fangnetz mussten sich die Aachener Fans selbst mitbringen.
Jörg Berger vertraute nach den schlechten Erfahrungen aus Bielefeld einer defensiveren Aufstellung. Frank Paulus und Dennis Brinkmann besetzten statt Cristian Fiel und Kai Michalke die Außenpositionen im Mittelfeld. Vorne begann Emmanuel Krontiris neben Erik Meijer, und im Abwehrzentrum konnten Alexander Klitzpera und Quido Lanzaat endlich noch einmal gemeinsam auflaufen. Damit trat die Alemannia mit exakt derselben Formation an wie beim Geisterspiel. Hoffnung machte auch die Gelbsperre von Nürnbergs Stürmer Robert Vittek, für den Samuel Slovak von Beginn an spielte. Der Held des Hinspiels Blondie Driller spielt im übrigen, wie ein näherer Blick ins Stadionheft verriet, mittlerweile erfolgreich bei den FCN-Amateuren in der Oberliga - da gehört er auch hin.
Allzu viel konnte man sich bei der heimstärksten Mannschaft der Liga, wo es zuletzt am 10.12.2000 eine 1:6-Klatsche gab, ohnehin nicht ausrechnen, aber auch die kleine Chance, die man hatte, schien schon nach acht Minuten dahin zu sein. Willi Landgraf verstolperte 25 Meter vor dem eigenen Tor ohne Not den Ball und erwischte beim Versuch, den Ball noch zu erreichen, das Bein von Jacek Krzynowek. Landgraf sah Rot, und Frank Paulus musste seinen Platz in der Viererkette einnehmen. Die drei Punkte, die man bei der Tabellensituation dringend benötigte, waren damit schon in ganz weite Ferne gerückt. Die Alemannia hielt sich zu zehnt erstaunlich gut, die Abwehr um Klitzpera und Lanzaat stand lange sicher. Nach 19 Minuten wäre es beinahe dennoch so weit gewesen. Stephan Straub verschätzte sich bei einer Flanke von Frank Wiblishauser und wurde von Marek Mintal übersprungen. Zum Glück sprang der Ball von der Querlatte zurück ins Feld. Nürnberg war deutlich feldüberlegen und erarbeitete sich eine Vielzahl an Ecken und Freistößen, brachte aber lange Zeit nichts wirklich Zwingendes zustande. Stefan Blank mit einem Kopfball nach Flanke von Ivica Grlic hatte die erste halbwegs gefährliche Szene für die Alemannia. Auf der anderen Seite kam wieder Marek Mintal aus drei Metern nach einer abgefälschten Flanke zum Kopfball, aber der Ball ging am Tor vorbei. Etwas später traf Sasa Ciric den Ball nach Hereingabe von Frank Wiblishauser nicht richtig. Die beste Chance für die Alemannia in der ersten Halbzeit hatte Emmanuel Krontiris, dessen Schuss aus der Drehung nach Vorlage von Frank Paulus noch von einem Nürnberger abgefälscht wurde. Auch ein Schuss von Quido Lanzaat aus der zweiten Reihe, als Torwart Schäfer noch am Boden lag, blieb in der Abwehr hängen. Sechs Minuten vor der Pause sorgte Sasa Ciric für den zweiten Aluminiumtreffer der Hausherren. Stephan Straub konnte seinen Flachschuss aus rund 20 Metern mit einer Hand gegen den Außenpfosten lenken. Bis zur Halbzeit hielt die Alemannia ein verdientes 0:0.
Leider war das zu wenig, früher oder später musste man trotz Unterzahl das Risiko erhöhen. Zunächst kam Bachirou Salou für den erneut schwachen Emmanuel Krontiris. Bis zur 54. Minute stand die Alemannia weiterhin mit Abstrichen gut, aber dann war es ein Eckball, der die Führung für den Club brachte. Samuel Slovak brachte den Ball von der rechten Seite in den Fünfmeterraum, und Marek Nikl köpfte aus vier Metern zum 1:0 ein - Stefan Blank hatte falsch zum Ball gestanden. Ein Hoffnungsschimmer drei Minuten später: Bei einem Zweikampf zwischen Alexander Klitzpera und Sasa Ciric nahe der Eckfahne gingen beide zu Boden, und Ciric trat im Fallen Klitzpera offenbar absichtlich ins Gesicht. Damit ging es mit 10 gegen 10 weiter, und die Alemannia verstärkte ihre Offensivbemühungen. Nach 62 Minuten hatte die Alemannia ihre einzige Chance, dem Spiel noch einmal eine Wende zu geben. Nach einer abgefälschten Hereingabe von Stefan Blank stand Bachirou Salou am langen Pfosten frei, vertändelte den Ball aber, anstatt ihn direkt zu nehmen. Auf der Gegenseite rettete Karlheinz Pflipsen nach Ecke von Jacek Krzynowek und Kopfball von Marek Nikl auf der Linie. Zwanzig Minuten vor dem Ende fiel die Entscheidung. Karlheinz Pflipsen rannte sich am gegnerischen Sechzehnmeterraum fest, und im Gegenzug ging es sehr schnell. Dennis Brinkmann spielte auf Abseits und blieb stehen, so dass Samuel Slovak freie Bahn hatte. Der ließ sich frei vor Stephan Straub die Chance nicht nehmen und beendete wahrscheinlich endgültig alle Aufstiegsträme der Alemannia. Marek Mintal erhöhte kurz vor Schluss gegen eine offene Aachener Abwehr noch auf 3:0.
Durch dieses letzte Tor hat die Alemannia wieder ein negatives Torverhältnis und nach 11 Gegentoren in den letzten 4 Spielen die drittschlechteste Abwehr der Liga. In jedem Fall sind die Hoffnungen auf Platz Drei auf ein Minimum gesunken. Cottbus, das 4 Punkte und 10 Tore vor der Alemannia steht, müsste sich in den verbleibenden 4 Spielen 2 Ausrutscher erlauben und die Alemannia gleichzeitig alle Spiele gewinnen. Wahrscheinlich ist das nicht. Insgesamt hat die Alemannia nach der Herbstmeisterschaft den Aufstieg mit einer schwachen Rückrunde (15 Punkte aus 13 Spielen) verspielt. Dabei wurden der Mannschaft in den letzten Spielen in Bielefeld und Nürnberg deutlich die Grenzen aufgezeigt. Mit Nürnberg verabschiedet sich derweil nach Bielefeld eine weitere Fahrstuhlmannschaft für mindestens ein Jahr in Richtung Bundesliga - für den Club ist es bereits der sechste Bundesligaaufstieg.



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