So, 20.07.03:
ALEMANNIA - Fenerbahce Istanbul 0:0 (0:0)
Straub - Landgraf, Klitzpera (83. Brinkmann), Lanzaat, Blank - Grlic, Bayock (66. Mbwando), Pflipsen, Michalke (62. van der Luer) - Gomez (66. Krontiris), Meijer
(Trainer: Berger)
Biler - Akyel, Luciano (61. Arat), Özat, Albayrak - Aurelio (77. Bayraktar), Aslan (77. Simsek), Sanli, Sahin - Sentürk (46. Rebrov), van Hooijdonk
(Trainer: Daum)

Zuschauer: 8012 (ca. 6000 Türken)
Gelb: Meijer - Akyel, Aslan, Arat









Zugegeben, bei der Sportplatzeinweihung in Laubach war es nett und gemütlich (wenn auch unverschämt teuer), aber: spannend ist etwas anderes. Gut, dass die Verantwortlichen der Alemannia ab und zu gute Ideen haben, um selbst die langweiligste Saisonvorbereitung etwas aufzulockern. Ein Testspiel gegen Fenerbahce Istanbul auf dem Tivoli würde sicher für willkommene Zerstreuung sorgen. Schließlich ist Fenerbahce das Bayern München der Türkei - von Blödkutten umschwirrt wie die Scheiße von den Fliegen... besonders eindrucksvoll zu beobachten im Trainingslager, wo die Herren Superstars auf Schritt und Tritt von Security-Äffchen beschützt wurden. Zweimal hatte die Alemannia in den letzten Jahren gegen Fenerbahce gespielt (in Uerdingen und Emmelshausen) und beide Male den Kürzeren gezogen. Auf dem Tivoli hatte mit der Nationalmannschaft der Türkei zuletzt im Oktober 1997 eine türkische Mannschaft gespielt. Der Grundgedanke aus Sicht der Alemannia war sicherlich nicht ganz falsch: das Gastspiel von Fenerbahce würde viele Türken an den Tivoli locken, die alle gutes Geld für den Eintritt zahlen würden. 9 Euro kostete die Vollzahler-Karte für die Überdachte. Wenn man tags zuvor schon 8 Euro in Laubach bezahlt hat und eigentlich für Burghausen und Cottbus sparen will, ist das ein Preis, der wehtut. Wenn dann noch keine Dauerkarten gelten, mit der Begründung, man müsse das Antrittsgeld von Fenerbahce finanzieren, ist das schon ein bisschen ärgerlich. Schließlich interessiert mich Fenerbahce einen Scheißdreck, ich will nur Alemannia sehen. Rund 6000 Türken waren am Ende unter den 8000 Zuschauern, nur die linke Hälfte des S-Blocks blieb fest in Aachener Hand.
Die Alemannia trat mit der momentan ersten Elf auf, nachdem man tags zuvor die zweite Garnitur aufgeboten hatte. Dabei gab es keine größeren Überraschungen. Im rechten Mittelfeld erhielt Thierry Bayock den Vorzug vor George Mbwando. Bei Fenerbahce spielte Neuzugang Pierre van Hooijdonk von Anfang an, zur Pause wurde noch Sergei Rebrov eingewechselt. Die Alemannia zeigte aber keinen Respekt vor diesen großen Namen und spielte munter mit. Geschenkt wurde sich auf beiden Seiten nichts, nicht nur auf den Rängen ging es zeitweise unfreundlich zu. Drei gelbe Karten waren das Resultat der teilweise recht rustikalen Spielweise des türkischen Vizemeisters. Nach zehn Minuten hatte die Alemannia die erste große Chance des Spiels. Karlheinz Pflipsen verpasste eine Flanke von Daniel Gomez, und Kai Michalke kam fünf Meter vor dem Tor komplett frei an den Ball. Leider stoppte er den Ball etwas zu umständlich, und ein Türke bekam im letzten Moment sein Bein dazwischen. Auf der anderen Seite ließ Sanli mit einem langen Solo eine ganze Reihe Aachener stehen und bediente schließlich Aurelio, der den Ball am langen Pfosten vorbeischob. Eric Meijer sorgte mit einem 16m-Schuss noch für Gefahr vor dem Fenerbahce-Tor, auf der Gegenseite hätte Sanli kurz vor der Pause beinahe eine Unachtsamkeit von Stefan Blank bestraft, schoss aber aus spitzem Winkel in die Arme von Stephan Straub. Nach Fehlpass von Quido Lanzaat vergab Chancentod Sanli auch die letzte Gelegenheit vor dem Wechsel, als er sich den Ball zu weit vorlegte.
Auch in der zweiten Halbzeit hielt die Alemannia gut mit und hätte mit etwas Glück in Führung gehen können. Albayrak kratzte einen Kopfball von Erik Meijer nach Flanke von Stefan Blank von der Linie. Dann nutzte Sahin einen Fehlpass von Willi Landgraf zu einer präzisen Flanke auf Sergei Rebrov, der freistehend rechts am Tor vorbeiköpfte. Eine Minute später war es Ivica Grlic, der als letzter Mann den Ball verlor und Sanli eine weitere Großchance ermöglichte. Stephan Straub verhinderte mit einer Glanztat das 0:1 gegen den frei durchgebrochenen Türken. Zehn Minuten später konnte er sich wieder auszeichnen. Aslan hatte Sanli mit einem Diagonalpass freigespielt. Der versuchte es dieses Mal mit einem Heber, aber Straub hatte blitzschnell eine Hand oben und lenkte den Ball zur Ecke. Gut zehn Minuten vor Schluss stand Sergei Rebrov im Anschluss an einen Eckball frei am langen Pfosten, zielte aber über das Tor. Die letzte Chance hatte wieder die Alemannia. Nach Flanke von Emmanuel Krontiris und Faustabwehr von Biler kam Karlheinz Pflipsen aus 13 Metern zum Schuss, scheiterte aber am gut reagierenden Biler. So stand es nach 90 Minuten verdientermaßen Unentschieden. Die Alemannia, die nunmehr seit vier Spielen ohne Torerfolg ist, hatte ihre bisher beste Saisonleistung gezeigt und den favorisierten Türken in jeder Hinsicht Paroli geboten.
Der Schiedsrichter beendete das Spiel überpünktlich, als ein türkischer Zuschauer den Rasen stürmte. Bald kamen von der Tribüne eine Horde Autogrammkinder gefolgt und belagerten ihre ach so tollen Stars, während unsere Spieler etwas verloren über den Platz irrten. Einige Türken wurden von den Ordnern zurückgehalten, ein Flitzer mit einer Türkei-Fahne bekam einen Knüppel ab. Die Situation eskalierte, als einige Schwachköpfe unter den größtenteils friedlichen türkischen Zuschauern in Richtung S-Block liefen, beleidigende Gesten zum besten gaben und mit Böllern, Bierbechern und anderem Unrat um sich warfen. Das ganze erinnerte fatal an das Bochum-Spiel. Zum Glück blieben dieses Mal alle Aachener im Block, so dass die anwesenden Herren Z. und F. wenigstens keinen Anlass für die Erteilung weiterer Stadionverbote haben. Die Türken, die auf dem Platz provozierten, haben ohnehin nichts zu befürchten - bei Leuten, die Fußball größtenteils vor dem Fernseher erleben, sind Stadionverbote auch eher unwirksam. Von der Sitztribüne flogen noch einige Sitzschalen, und vor dem Stadion kam es zu diversen kleineren Schlägereien. Ein Großaufgebot der Polizei verhinderte an der Tankstelle weitere unschöne Szenen, als sie türkisch aussehende Leute am Betreten der Tankstelle hinderten und auch allen anderen irgendwann pauschal Platzverbot erteilte.
Dass es wieder einmal soweit kam, ist irgendwo schade, war aber bei einer derartigen Spielansetzung mehr als vorhersehbar. Die Türken hatten aus dem S-Block die übliche Palette von "wir hassen die Türkei" über "Hurensöhne", "Bahnhofsmission", "Scheiß-Türkiye" bis leider auch "Asylanten" über sich ergehen lassen und im Gegenzug über 90 Minuten kaum die Fresse aufgekriegt - typische Fußballkonsumenten, wie man sie von Bayern oder dem BVB kennt. Nur eine kleine Gruppe auf dem Aachener Wall gab zwischenzeitlich ein "Scheiß-Deutschland" zum besten. Dass es dann unter 6000 Türken einige halbwüchsige Kleingeister gibt, die nichts besseres im Leben haben, als sich im Schutz der Polizei vor dem S-Block aufzubauen, ist statistisch gesehen normal. Nur hätte dem ganzen von Seiten des Vereins und der Polizei schneller ein Riegel vorgeschoben werden müssen. Ein Gutes hat die Sache in jedem Fall: gegen Christoph Daum und sein Ritsche Ratsche Fenerbahce werden wir so schnell nicht mehr spielen.



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