So, 19.09.04:
ALEMANNIA - 1.FC Köln 2:3 (1:0)
Straub - Landgraf, Klitzpera, Sichone, Blank - Plaßhenrich (75. Bruns), Rolfes, Fiel (27. Stehle) - Pinto (65. Brinkmann), Michalke, Meijer
(Nicht - Noll, Paulus, Iwelumo / Hecking)
Bade - Voigt, Cullmann, Sinkiewicz, Sinkala - Schindzielorz (46. Ebbers), Springer (41. Feulner), Streit, Guie-Mien (91. Lell) - Podolski, Scherz
(Maczkowiak - Konstantinidis, Grujic, Achenbach / Stevens)

Zuschauer: 21200 (ausverkauft; ca. 3000 aus Köln)
Gelb: Meijer - Scherz, Podolski, Voigt, Sinkiewicz
Rot: Blank (18.; Tätlichkeit)

1:0 Michalke (25.; Meijer, Pinto)
1:1 Cullmann (61.)
1:2 Podolski (65.)
2:2 Michalke (78.)
2:3 Ebbers (83.)



(Foto: Richard)





(Foto: Richard)











(Fotos: Richard)

Derbys gegen Sülz 07 sind normalerweise etwas Besonderes für die Alemannia. Dieses Mal war es etwas anderes: Drei Tage nach einem 5:1-Auswärtssieg im UEFA-Cup, gerade erst wieder gelandet und müde von den Strapazen sah man dem Spiel eher gelassen entgegen. Einzige Sorge war die kurze Pause, die die Mannschaft nach dem Auftritt auf Island hatte. Mit denselben elf Spielern, die in Reykjavík begonnen hatten, ging es gegen den rheinischen Fusionsverein, der seit 1969 nicht mehr besiegt werden konnte.
Vor ausverkauftem Haus entwickelte sich ein kampfbetontes, zunächst ausgeglichenes Spiel, in dem Schiedsrichter Michael Weiner schon früh eine Hauptrolle übernahm. Erik Meijer bekam wie fast schon gewohnt die meisten seiner Kopfballduelle abgepfiffen. Nach 13 Minuten hatte die Alemannia die erste Torchance des Spiels. Alexander Bade parierte einen 14-Meter-Schlenzer von Cristian Fiel. Auf der anderen Seite sorgte Michael Weiner mit einem lächerlichen Freistoßpfiff für die erste 07-Chance. Rainer Plaßhenrich soll Neu-Nationalspieler Lucas Podolsci beim Kopfballduell gefoult haben, der aber eher vor spätpubertärer Schwäche hingefallen war. Stephan Straub parierte sowohl den von Podolsci selbst getretenen Freistoß als auch im Liegen den anschließenden Flugkofpball von Carsten Cullmann. Direkt im Anschluss an diese Szene begann die minutenlange One-Man-Show des Matthias Scherz, der fußballerisch zwar wieder einmal rein gar nichts reißen konnte, aber trotzdem im Alleingang das Spiel entschied. Zunächst ein Rempler gefolgt von Diskussionen mit dem Schiedsrichter, der andeutete, Scherz bei nächster Gelegenheit Gelb zu zeigen. Keine Minute später ein Foul samt Nachtreten von Scherz gegen seinen ehemaligen Mannschaftskameraden Moses Sichone; das Spiel lief weiter. Andrew Sincala warf sich in einen Schuss von Stefan Blank und lenkte ihn zur Ecke. Die konnte Kai Michalke im ersten Versuch wegen einer Rangelei zwischen Scherz und Stefan Blank nicht ausführen. Im zweiten Versuch fuhr Scherz gegen Blank den Ellenbogen aus. Blank ging zu Boden, Scherz sah zwar endlich die gelbe, nicht jedoch die rote Karte. Elfmeter gab es korrekterweise nicht, da der Eckball noch nicht ausgeführt worden war. Nun gab es erst einmal Rudelbildung, bevor die Ecke im dritten Versuch ausgeführt werden konnte. Alexander Bade fing die von Michalke zu nah ans Tor getretene Ecke ab, während Matthias Scherz es sich nicht nehmen ließ, Stefan Blank von hinten mit beiden Händen ins Tor zu schubsen. Hier hätte es Elfmeter geben müssen, aber Schiedsrichter Weiner und sein Linienrichter hatten offenbar gerade woanders hingeguckt. Stefan Blank reklamierte (noch ruhig) Elfmeter, woraufhin er vehement von Lucas Sinciewicz und Alexander Voigt bedrängt wurde. Blank rastete nun aus und schubste Alexander Voigt weg, der theatralisch hinfiel. Wohlgemerkt schubste er ihn und schlug ihn nicht, was nicht Rot, sondern Gelb nach sich ziehen sollte. Der folgende Platzverweis war alles in allem ein ganz schlechter Scherz, denn eben der hätte bei ähnlicher Regelauslegung schon längst vom Platz gestellt werden müssen. Bei solcher Unverhältnismäßigkeit wurden bei älteren Zuschauern Erinnerungen an unsägliche Zeiten eines Franz Cremer wach, als die Alemannia in einigen Partien wie diesem Pokalspiel von 1957 grob verpfiffen wurde. Objektiv betrachtet möchte man dem Herrn Weiner nichts anderes unterstellen als Unfähigkeit, aber diese Fehlentscheidung traf die Alemannia bitter. Mit Spiel und Flug in den Knochen über 70 Minuten in Unterzahl zu spielen konnte nicht gutgehen.
So ist der Rest des Spiels schnell erzählt. Die Alemannia hielt zu zehnt bravourös dagegen und ging nach 25 Minuten sogar in Führung. Nach Abschlag von Stephan Straub, gewonnenem Kopfballduell von Erik Meijer und schönem Rückzieher von Sergio Pinto landete der Ball bei Kai Michalke, der das Leder aus gut 20 Metern im Winkel unterbrachte. Mit der Einwechslung von Thomas Stehle für Cristian Fiel kurz darauf spielte Dieter Hecking schon früh auf Halten. Trotzdem war es die Alemannia, die vor der Pause auf 2:0 hätte erhöhen können. Thomas Stehle kam bei einem Freistoß von Kai Michalke frei zum Kopfball, traf aber den Ball nicht richtig. Im zweiten Versuch brauchte Alexander Klitzpera zu lange, um sich zu drehen und schoss schließlich nur das Bein von Carsten Cullmann an.
Der bis dahin schwache KBC wechselte nun auch zwei Mal aus und kam nach einer Stunde besser ins Spiel, als bei der Alemannia die Kräfte allmählich nachließen. Nach einer Stunde unterband Andrew Sincala einen Aachener Konter durch wiederholtes Trikotzupfen gegen Simon Rolfes, aber es gab weder Gelb noch Freistoß. Rolfes fehlte vielleicht der Nationalspielerbonus, denn das Foul von Moses Sichone an Lucas Podolsci im direkten Anschluss wurde selbstverständlich gepfiffen. In der Reihe "Typen, die die Welt nicht braucht, Teil 2" heulte sich nun Lucas Podolsci trotz des Freistoßes beim Schiedsrichter aus (da seine Mutter gerade nicht in der Nähe war). Schon beim Platzverweis war Podolsci unangenehm aufgefallen, als er mit der Hand vor Stefan Blanks Gesicht herumwedelte. Er wird in der Winterpause keine Probleme haben, sich bei Bayern München einzuleben. Kurz nach dieser Szene führte gleich die erste Konzentrationsschwäche in der Aachener Abwehr zum Ausgleich. Carsten Cullmann wurde im Strafraum alleine gelassen, was dieser eiskalt ausnutzte. Vier Minuten später war das Spiel nach einem groben Fehler von Alexander Klitzpera gekippt, der sich verspekulierte, an einem Ball vorbeirutschte und so Lucas Podolsci so frei zum Schuss kommen ließ, dass selbst der nicht mehr danebenschießen konnte. Nun waren auch wieder die mitgereisten Fans aus Sülz zu hören, die seit der 3. Spielminute ruhig gewesen waren und nun allen Ernstes behaupteten "wir haben ein Heimspiel in Aachen". Eine Viertelstunde vor dem Ende hätte Matthias Scherz das Spiel entscheiden können, machte aber wieder einmal deutlich, dass er mit dem Fuß nicht halb so geschickt ist wie mit dem Ellenbogen, als er Stephan Straub eine Hereingabe von Guie-Mien aus fünf Metern in die Arme schob. Im Gegenzug flog ein Freistoß von Kai Michalke über Freund und Feind hinweg zum 2:2 ins Netz, Marius Ebbers hatte den Ball noch leicht berührt.
Unserer Mannschaft, die toll gekämpft hatte, konnte man an diesem Tag nur einen Vorwurf machen, nämlich, dass sie jetzt zu viel riskierte. Sieben Minuten vor dem Ende war man zu weit aufgerückt, als Kai Michalke den fatalen Fehlpass spielte. Albert Streit bediente mustergültig Lucas Podolsci. Der scheiterte aus halblinker Position an Stephan Straub, aber im Nachsetzen versprang Moses Sichone erst der Ball und anschließend schoss er beim verspäteten Versuch zu klären den hereinrutschenden Marius Ebbers an. Zwei ganz dicke Chancen, dem ganzen doch noch eine Wende zum Guten zu geben, gab es noch. Zunächst gab es nach einem Fallrückzieher am Mann von Guie-Mien 12 Meter vor dem Cölner Tor indirekten Freistoß für die Alemannia. Thomas Stehle traf hierbei nur den Rücken von Alexander Voigt. In der Nachspielzeit holte Erik Meijer noch einen Freistoß 18 Meter vor dem Tor raus. Es passte zum Spiel, dass Kai Michalke den Ball nicht ins Tor, sondern gegen die Latte zirkelte.
Alles in allem ist die Niederlage mehr als unglücklich, zumal man selbst zu zehnt beinahe noch einen Punkt geholt hätte. Zu elft hätte man das Spiel gegen die überbezahlte Fahrstuhlmannschaft, die den Vorschusslorbeeren in diesem Spiel nicht gerecht werden konnte, auch gewinnen können, aber ein Polizist namens Michael Weiner machte der Alemannia leider einen Strich durch die Rechnung - es sind Tage wie dieser, an denen aus den hintersten Ecken der Plattensammlung Titel wie "Bullenschweine" hervorgekramt werden. Was bleibt, ist die Vorfreude aufs Rückspiel in der Hauptkampfbahn Müngersdorf, das nach den gesehenen Leistungen durchaus gewonnen werden kann, sowie auf die Auslosung zur Gruppenphase, hoffentlich mit Heimspielen gegen Feyenoord Rotterdam und Besiktas Istanbul.

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