So, 16.05.04:
ALEMANNIA - LR Ahlen 1:1 (0:1)
Straub - Landgraf (64. Salou), Klitzpera, Mbwando (46. Michalke), Blank - Grlic, Paulus, Brinkmann (46. van der Luer), Fiel - Meijer, Gomez
(Memmersheim - Lanzaat, Ewertz, Krontiris / Berger)
Meier - Djenic, Thiam, Andrei - Felgenhauer, Fengler, Hillebrand, Sopic, Mikolaiczak (75. Paulinho) - Bamba, N'Diaye (90. André)
(Ratajczak - Chiquinho, Özkara, Bella, Bencik / Peter)

Zuschauer: 21500 (ausverkauft; ca. 1000 aus Ahlen)
Gelb: Gomez, Blank, Grlic - Bamba, Sopic, Paulinho, Djenic, N'Diaye

0:1 N'Diaye (35.)
1:1 Salou (68.; Fiel)
Straub hält Handelfmeter von Felgenhauer (81.)







Nur zwei Siege fehlten der Alemannia noch zum Aufstieg in die Bundesliga, so wenig wie noch nie seit dem Abstieg vor 34 Jahren. Plötzlich war die Alemannia in Aachen wieder in aller Munde, und es drängten sich Gestalten in den Vordergrund, von denen Jahre nichts zu hören war. Die Zeitungsartikel unter der Woche gaben einen Vorgeschmack auf die diversen negativen Begleiterscheinungen eines Aufstiegs wie Kommerzterror und Stadionneubau mit 80% Sitzplätzen - der Tivoli wurde derweil in einem Nebensatz abgerissen. Trotz all dem dauerte es nach dem Oberhausen-Spiel nicht lange, bis der Tivoli (zum ersten Mal in einem Meisterschaftsspiel in dieser Saison) ausverkauft war; die Möglichkeit, evtl. schon an diesem Sonntag eine Aufstiegsparty zu feiern, mobilisierte die Massen.
Die Alemannia musste neben Quido Lanzaat auf Karlheinz Pflipsen verzichten, der in Oberhausen die gelb-rote Karte gesehen hatte. Dennis Brinkmann ersetzte Pflipsen im offensiven Mittelfeld, die Außenpositionen besetzten Frank Paulus und Cristian Fiel. George Mbwando spielte wie gehabt für Lanzaat im Abwehrzentrum, und neben Erik Meijer stürmte nicht Emmanuel Krontiris, sondern Daniel Gomez. Bei den nach wie vor abstiegsbedrohten Gästen aus Ahlen fehlte der gelbgesperrte Jan Velkoborsky.
Die Alemannia begann nervös und entwickelte nicht den Druck, den man von Heimspielen gewohnt ist. Zwanzig Minuten dauerte es bis zur ersten guten Chance. Doppelpass von Frank Paulus und Dennis Brinkmann auf der rechten Seite, präzise Flanke von Paulus, und Erik Meijer kam aus fünf Metern Torentfernung ganz frei zum Kopfball. Das hätte die Führung und u.U. der Aufstieg sein können, aber Meijer köpfte unbedrängt am linken Pfosten vorbei. Ahlen erwies sich als der erwartet unbequeme Gegner, hatte aber selber nach vorne gar nichts zu bieten - bis zur 35. Minute. Die Alemannia setzte sich in der Hälfte des Gegners fest. George Mbwando wollte es schnell machen, ging einige Schritte nach vorne und spielte den entscheidenden Fehlpass. Von Zeljko Sopic kam der Ball postwendend zurück, und der an der Mittellinie wartende Babacar N'Diaye war frei durch und konnte von Alexander Klitzpera nicht mehr eingeholt werden. Der Ahlener Stürmer schob den Ball an Stephan Straub vorbei zum 0:1 ins Netz. Die Alemannia zeigte sich geschockt, kurz nach dem Rückstand ging es im Aachener Strafraum drunter und drüber. Auf der anderen Seite hielt George Mbwando bei einem Schuss von Cristian Fiel den Fuß hin, aber das brachte nichts ein, und es blieb zur Pause beim 0:1 und langen Gesichtern. Dabei lag Cottbus 2:0 in Unterhaching zurück, und Regensburg hielt ein 0:0 gegen Mainz. Noch war man also Dritter, aber umso ärgerlicher war der eigene Rückstand.
Zur Pause kamen Kai Michalke und Eric van der Luer für Dennis Brinkmann und George Mbwando. Die Viererkette wurde aufgelöst, Alexander Klitzpera blieb alleine im Abwehrzentrum. Die Alemannia machte jetzt mehr Druck, und endlich erreichte auch der Support eine angemessene Lautstärke. Die erste dicke Chance hatte wie in der ersten Hälfte Erik Meijer. Ivica Grlic hatte den Ball von der linken Seite flach in den Strafraum gegeben, und Cristian Fiel hatte durchgelassen. Erik Meijer kam aus fünf Metern frei zum Schuss, semmelte den Ball aber weit über das Tor. Nach 55 Minuten hätte schon alles vorbei sein können. Frank Paulus verlor auf der linken Seite den Ball. Musemestre Bamba wurde steil geschickt und brachte den Ball in die Mitte auf den Torschützen Babacar N'Diaye, der am langen Pfosten freistehend das Tor nicht traf. Im direkten Gegenzug setzte sich Eric van der Luer auf der rechten Seite nach Anspiel von Kai Michalke gegen Dennis Hillebrand durch und lief frei auf Bernd Meier zu. Der verkürzte geschickt den Winkel und blieb Sieger. Nun kam mit Bachirou Salou für Willi Landgraf ein dritter Stürmer, Frank Paulus übernahm die rechte Abwehrseite. Große Aufregung wenig später: Kai Michalke wurde im Strafraum von Petar Djenic weggestoßen, aber der Elfmeterpfiff blieb aus. In der 68. Minute dann ein langer Ball von Cristian Fiel von der linken Seite. Erik Meijer und Abdoul Thiam gingen zum Kopfball hoch, Bernd Meier kam weit aus seinem Tor, Thiam kam mit dem Kopf an den Ball, und das Leder fiel vor die Füße von Bachirou Salou. Der reagierte gut und schob den Ball zum 1:1 ins leere Tor. Nach wie vor stand es 0:0 in Regensburg und 2:0 in Unterhaching, und der Alemannia fehlte nur noch ein verficktes Tor zum Aufstieg. Die Alemannia versuchte, weiter Druck zu machen, aber zwingende Torszenen gab es kaum, und die Zeit lief davon. Das Fehlen von Spielmacher Karlheinz Pflipsen machte sich in dieser Phase deutlich bemerkbar, dazu kam der Kräfteverschleiß nach einer langen Halbserie. Ein einziges Mal hatte man den Torschrei auf den Lippen. Daniel Gomez spielte auf der linken Seite Cristian Fiel frei. Dessen direkte Hereingabe geriet ein wenig zu steil, und Bachirou Salou kam einen Schritt zu spät. In der Schlussviertelstunde ließen die Kräfte der Mannschaft immer mehr nach, und Ahlen hätte mehrmals mit Kontern das 1:2 erzielen können. Für die größte Chance der Gäste sorgte Daniel Gomez, der zunächst unbedrängt im eigenen Strafraum dem Gegner den Ball in die Beine spielte und die folgende Flanke von Stefan Fengler zum Entsetzen der Zuschauer reflexartig mit der Hand abwehrte. Daniel Felgenhauer lief zum Elfmeter an und schob den Ball in die linke untere Ecke. Stephan Straub machte sich lang und hielt die Chancen, an diesem Tag aufzusteigen, weitere zehn Minuten offen. Wenig später war es wieder Felgenhauer, der nach Flanke von Musemestre Bamba über das Tor schoss. Die Gäste, allen voran Bernd Meier, spielten zunehmend auf Zeit, obwohl sie es waren, die in der Schlussphase die besseren Chancen hatten. So stand nach einem Ahlener Freistoß und Fallern von Stefan Blank und Alexander Klitzpera plötzlich Paulinho völlig frei vor Stephan Straub, aber der rettete seiner Mannschaft einmal mehr das Unentschieden. Auf der Gegenseite köpfte Bachirou Salou den Ball nach Flanke von Cristian Fiel am rechten Pfosten vorbei. Mehr ging nicht mehr. Auch die Zuschauer hatten wie die Mannschaft in den letzten Minuten stark nachgelassen und konnten nicht wie gegen Trier oder Verl vor fünf Jahren einen späten Sieg herbeischreien.
In Unterhaching und Regensburg war es beim 2:0 bzw. 0:0 geblieben, obwohl die Anzeigetafel kurz nach dem Schlusspfiff fälschlicherweise sogar ein 1:0 für Regensburg vermeldet hatte - Fehlinformationen Marke Schalke. Die Alemannia wäre also tatsächlich bei einem Sieg aufgestiegen - betretene Gesichter im und später vor dem Stadion. Dabei ist im Prinzip nichts passiert, nach wie vor hat man es selbst in der Hand. Mit einem Sieg in Karlsruhe wäre die Alemannia in die Bundesliga aufgestiegen. Ein Unentschieden würde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht reichen, denn dann dürften weder Cottbus noch Mainz ihre Heimspiele gewinnen. Bleibt eine ganze lange Woche Hoffen und Bangen. Sollte es nicht klappen, wird man an den vergebenen Matchball gegen Ahlen noch lange Zeit denken...

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