Mo, 10.05.04:
Rot-Weiß Oberhausen - ALEMANNIA 1:2 (1:0)
Adler - Astorga, Raickovic, Cipi, Aliaj - Rietpietsch, Montero, Catic (67. Cairo) - Ouedraogo (80. Salifou),Tokody (74. Radulovic), Simioni
(Nulle - Kampf, Luginger, Costa / Andersen)
Straub - Paulus, Klitzpera, Mbwando, Blank - Grlic, Brinkmann, Pflipsen, Michalke (33. Fiel) - Meijer, Krontiris (46. Gomez)
(Memmersheim - Bediako, Ewertz, van der Luer, Salou / Berger)

Zuschauer: 11202 (ca. 7000 aus Aachen)
Gelb: Rietpietsch, Raickovic - Klitzpera, Mbwando, Brinkmann, Meijer
Gelb-Rot: Pflipsen (86.; wiederholtes Foulspiel)

1:0 Aliaj (18.; Foulelfmeter)
1:1 Blank (58.; Paulus, Gomez)
1:2 Blank (76.; Foulelfmeter; Gomez)





(Fotos: Richard)













(Fotos: Richard)



Vor zwei Wochen schienen die Aufstiegshoffnungen der Alemannia bereits so gut wie beendet zu sein. Nur 150 unentwegte Alemannia-Fans sahen das 0:3 ihrer Mannschaft in Nürnberg. Seitdem patzte Cottbus zweimal, die Alemannia zitterte sich zu einem 2:1 gegen Osnabrück, und plötzlich hatte man es wieder selbst in der Hand und konnte aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen. In Aachen hingen auf einmal an jeder Laterne Plakate, die für Unterstützung in Oberhausen warben, und tatsächlich kamen mehr als die Hälfte der 11202 Zuschauer im Niederrhein-Stadion aus Aachen. Die Kurve war besser gefüllt, ansonsten hat sich nicht viel getan in Oberhausen. Nach wie vor gehen einem Ordner und Bullen kräftig auf die Nerven, was mittlerweile nur noch für resigniertes Kopfschütteln sorgt. Immerhin blieb dieses Mal das Tränengas im Behälter, dafür zogen einem die Ordner diverse Gegenstände ab, die sie für brauchbar oder verkäuflich hielten.
Die Gastgeber aus Oberhausen mussten ohne die gelbgesperrten Scharpenberg und Velichkov auskommen, bei der Alemannia fehlten Quido Lanzaat und Willi Landgraf aus bekannten Gründen. Von Anfang an dabei war hingegen Ivica Grlic, hinter dessem Einsatz ein Fragezeichen gestanden hatte. Einziger Unterschied zur Startaufstellung gegen Osnabrück war der Seitentausch von Dennis Brinkmann und Kai Michalke.
Das Spiel war in den ersten Minuten auf beiden Seiten nervös bis schwach. Oberhausen hatte nach 12 Minuten die erste Gelegenheit, als Stefan Blank nach einem Eckball auf Abseits spekulierte, und Astorga fast noch an den Ball gekommen wäre. Noch gefährlicher wurde es eine Minute später. Nach einem langen Oberhausener Einwurf legte Alassane Ouedraogo den Ball zurück auf Mike Rietpietsch, der 12 Meter vor dem Tor frei zum Schuss kam, aber mehr oder weniger kläglich vergab. Weitere drei Minuten später lief ein Oberhausener Konter über die rechte Seite. Alassane Ouedraogo überlief Ivica Grlic und brachte den Ball in die Mitte. Dort verpassten Alexander Klitzpera und Simioni, und Stephan Straub konnte klären. Dummerweise hatte der Schiedsrichter irgendetwas gesehen, was in unserem Block niemand gesehen hatte, und gab zum allgemeinen Entsetzen Elfmeter. Auch wenn man es in der ersten Erregung nicht glauben mochte: Die Fernsehbilder gaben dem Schiedsrichter Recht, Klitzpera hatte seinen Kontrahenten festgehalten und von hinten in die Beine getroffen. Adrian Aliaj verwandelte den Elfmeter mit Hilfe des linken Innenpfostens, und wo in den meisten Stadien nach einem Tor irgendein Vereinslied oder wenigstens Schlager eingespielt wird, gibt es in Oberhausen neuerdings einen Coca-Cola-Jingle - wesentlich peinlicher geht es wohl nicht mehr. Die Antwort der Alemannia ließ auf sich warten, es lief kaum etwas zusammen bei unserer Mannschaft. Bereits nach einer halben Stunde reagierte Jörg Berger und brachte Cristian Fiel für Kai Michalke, einen von einer ganzen Reihe von schwachen Akteuren. Erik Meijer sorgte fünf Minuten vor dem Wechsel für die erste halbwegs gefährliche Szene, als er aus spitzem Winkel am langen Pfosten vorbeizielte.
Zur Pause kam Daniel Gomez für Emmanuel Krontiris, und die Alemannia kam wie verwandelt aus der Kabine. Man spielte jetzt Richtung Kanalkurve und legte plötzlich ein ganz anderes Tempo vor als im ersten Durchgang. Nach Flanke von Stefan Blank und Kopfballablage von Erik Meijer hatte Daniel Gomez den Ausgleich auf dem Fuß, schoss aber über das Tor. Die Alemannia machte weiter mächtig Dampf, immer wieder bewegte Erik Meijer die mitgereisten Fans gestenreich zum Support. Den Lohn gab es in der 58. Minute. Eine Aachener Ecke wurde in die Mitte abgewehrt, Frank Paulus erlief den Ball und brachte ihn hoch auf die linke Seite. Daniel Gomez legte per Kopf ab, David Montero trat über den Ball, und Stefan Blank traf aus der Drehung den Ball nicht richtig, aber dafür das linke untere Toreck. Keine zwei Minuten später kam Erik Meijer aus aussichtsreicher Position zum Schuss, machte aber zu wenig draus. Der Alemannia lief langsam die Zeit davon. Eine Viertelstunde vor Schluss sahen viele einen 30m-Schuss von George Mbwando schon im Tor, aber der Ball strich Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Wenig später gingen Daniel Gomez und Gegenspieler Geri Cipi nach langem Pass von Karlheinz Pflipsen am rechten Strafraumeck zum Zweikampf. Gomez bekam den Ball an die Hand, Cipi ging mit dem Fuß voran ungestüm in den Mann. Das ganze passierte, während sich beide in den Strafraum bewegten, und es war kaum zu erkennen, ob das Foul außerhalb oder innerhalb passierte. Jedenfalls hatten wir dieses Mal das Glück auf unserer Seite und es gab Elfmeter. Man mochte gar nicht hinsehen, als Stefan Blank, der schon gegen Union alles andere als sicher verwandelt hatte, anlief. Wieder traf Blank den Ball nicht richtig, aber Adler war in die linke Ecke unterwegs, und der Ball rollte zum 2:1 in die Mitte des Tores. Nun galt es noch eine Viertelstunde zu überstehen, und es gab noch einige Schrecksekunden. Schon im Gegenzug segelte eine Hereingabe gefährlich entlang der Aachener Torlinie. Sechs Minuten vor dem Ende erreichte Stephan Straub einen Steilpass knapp vor Mike Rietpietsch, schoss aber Frank Paulus an, und Cairo bugsierte den Ball in Richtung leeres Tor. Frank Paulus konnte schließlich retten. Eine Minute später sah Karlheinz Pflipsen die gelb-rote Karte für ein vermeintliches Foul an den spektakulär abhebenden Astorga und wird im wichtigen Heimspiel gegen Ahlen fehlen.
Die Alemannia hatte das Spiel mit einer Energieleistung noch umgebogen, nachdem es in der ersten Halbzeit noch nach einem Spiel Marke Bielefeld oder Nürnberg ausgesehen hatte. Damit ist die Alemannia der Bundesliga so nah wie seit dem Abstieg 1970 nicht mehr. Nach wie vor hat man es selbst in der Hand, und gegen Ahlen wird am Sonntag der Teufel los sein. Bei einem Sieg und gleichzeitigen Patzern von Cottbus und Mainz könnte man sogar schon am Sonntag außer Pokalfinalist und UEFA-Cup-Teilnehmer auch noch Bundesligist sein - das ganze keine zehn Jahre nach Niederlagen in Teveren, Hauenstein oder Elversberg. Die Aussicht, statt nach Oberhausen nach Dortmund und Schalke, und statt montags hektisch nach der Arbeit in aller Ruhe samstags zum Auswärtsspiel zu fahren, rückt immer näher.



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