Fr, 01.04.05:
ALEMANNIA - Rot-Weiß Erfurt 5:1 (4:0)
Straub - Landgraf, Klitzpera, Sichone, Noll - Schlaudraff, Plaßhenrich (56. Stehle), Fiel - Reghecampf, Gomez (68. Iwelumo), Meijer (56. Petrovic)
(Nicht - Paulus, Scharping / Hecking)
Twardzik - Richter, Keller, Traub, Bürger - Schnetzler, Barletta, Kreuz, Onwuzuruike (68. Klingmann) - Hebestreit (65. Neitzel), Tiganj (38. Fall)
(Behnke - Zedi, Pavlovic, van Buskirk / Kocian)

Zuschauer: 20962 (ausverkauft; ca. 700 aus Erfurt)
Gelb: Fiel, Petrovic - Schnetzler
Gelb-Rot: Keller (32.; wiederholtes Foulspiel)

1:0 Meijer (2.; Sichone, Reghecampf)
2:0 Meijer (36.; Fiel)
3:0 Gomez (40.; Schlaudraff, Meijer)
4:0 Meijer (45.; Reghecampf)
5:0 Fiel (47.)
5:1 Richter (91.)











Drei Heimniederlagen nach der Winterpause, darunter ein 1:5 gegen Wismut Aue, der Verein beginnt die Planungen für die neue Zweitligasaison, und der Drittletzte Rot-Weiß Erfurt stellt sich am Tivoli vor. Vor zwei Jahren noch hätten diese Umstände die Zuschauerzahl in den vierstelligen Bereich gedrückt. Dieses Mal lange Schlangen am Aachener Wall, Robert Moonen musste die Leute bitten zusammenzurücken und meldete später allen Ernstes "ausverkauft". Das bedeutete in diesem Fall allerdings "nur" 20962 Zuschauer, offenbar sinkt die Kapazität des Tivolis alle paar Monate um einige Hundert.
Die Alemannia konnte nach langer Zeit endlich einmal wieder ausgeruht in ein Spiel gehen, musste aber eine lange Verletztenliste beklagen. Neben dem gelbgesperrten Sergio Pinto fehlten Kai Michalke, Dennis Brinkmann, Jens Scharping, Florian Bruns und Simon Rolfes, der kurzfristig wegen seines Blinddarms das Krankenhaus aufsuchen musste. Immerhin konnten Erik Meijer und Reiner Plaßhenrich, deren Einsatz fraglich gewesen war, von Beginn an auflaufen. Dieter Hecking stellte wieder auf das gewohnte 4-3-3-System um mit Daniel Gomez und Laurentiu Reghecampf auf den Außenpositionen.
Die Alemannia gab vom Anstoß weg Gas, und Erfurt wirkte überraschend unvorbereitet und schlafmützig. Anderthalb Minuten waren erst gespielt, als Moses Sichone den Ball energisch nach vorne trieb. Laurentiu Reghecampf brachte den Ball von der rechten Seite nach innen, Stephan Keller stand völlig falsch zum Ball, und Erik Meijer nutzte den Freiraum zu einem platzierten Kopfball ins rechte Eck. Von der frühen Führung beflügelt lief der Ball auch ohne Michalke oder Pinto sehr gut durch die Aachener Reihen, gerade die Neuzugänge Schlaudraff und Reghecampf schienen um einiges besser ins Spiel integriert zu sein als kurz nach der Winterpause. Nach Steilpass von Daniel Gomez rettete Torwart René Twardzik knapp vor Erik Meijer, etwas später setzte Daniel Gomez einen Kopfball nach Flanke von Laurentiu Reghecampf über die Latte. Die einzige halbe Torchance der Gäste bis zur 90. Minute hatte Tiganj aus spitzem Winkel. Nach einer halben Stunde senste der bereits verwarnte Stephan Keller nach Steilpass von Cristian Fiel Jan Schlaudraff um, und musste vorzeitig unter die Dusche. Zu zehnt gerieten die Gäste für eine Viertelstunde völlig unter die Räder. Nach einem Handspiel gab es 18 Meter vor dem Tor in halbrechter Position Freistoß für die Alemannia. Cristian Fiel wollte den Ball über die Mauer heben, ein Abwehrspieler bekam den Ball gegen den Arm, und der Ball prallte von Erik Meijers Hinterkopf zum 2:0 im Netz - beruhigend, dass nicht nur polnische Sonderschüler Tore aus Versehen erzielen können. So glücklich das zweite Tor war, so schön war der dritte Treffer. Jan Schlaudraff, dem von den Gästen viel zu viel Platz gelassen wurde, steckte wunderbar durch auf Erik Meijer. Der legte den Ball aus spitzem Winkel zurück auf Daniel Gomez, der den Ball volley zum 3:0 im Tor unterbrachte. Eine Minute vor dem Wechsel köpfte Erik Meijer eine Ecke von Laurentiu Reghecampf unbedrängt zum 4:0 ein. Die Alemannia hatte sich durch teilweise haarsträubendes Erfurter Abwehrverhalten begünstigt einigen Frust von der Seele schießen können.
Dementsprechend schmeckte das Halbzeitbier so gut wie lange nicht mehr, und man konnte sich auf 45 entspannte Minuten freuen. Unsere Spieler schienen noch nicht genug zu haben, und wieder dauerte es keine zwei Minuten bis zum ersten Tor. Eine Flanke von Jan Schlaudraff wurde von einem Abwehrspieler für Reiner Plaßhenrich aufgelegt. Der scheiterte ebenso wie Cristian Fiel im ersten Versuch, aber im zweiten Versuch brachte Fiel den Ball zum 5:0 im Tor unter. Erst danach steckte unsere Mannschaft zurück. Die angeschlagenen Plaßhenrich und Meijer durften sich ausruhen, und Ivan Petrovic kam zu seinem dritten Saisoneinsatz, konnte aber kaum Akzente setzen. Mit fünf Toren Differenz hatte die Alemannia seit dem Wiederaufstieg noch nie gewonnen und sollte es auch dieses Mal nicht; wie schon gegen Dresden setzte es kurz vor Schluss noch das 5:1. Andreas Richter köpfte einen Gästefreistoß zum Ehrentreffer ins Netz, als Alexander Klitzpera und Emil Noll sich nicht einig waren, wer für Richter zuständig war. Außer dem wie ein Stehaufmännchen tobenden Stephan Straub ärgerte das aber höchstens die, die auf einen Sieg mit fünf Toren Differenz gewettet hatten - und wer tut schon so etwas.
Damit war der Rückstand der Alemannia auf Platz 3 auf einen Punkt geschrumpft, allerdings begünstigt durch weniger ausgetragene Spiele anderer Mannschaften. Der Aufstieg ist nach wie vor in weiter Ferne, aber man ist halbwegs oben dran, und bei einem Sieg in Oberhausen könnte man sich auf ein weiteres ausverkauftes Haus gegen Duisburg freuen.

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